Medientage II: Weniger wow, mehr content

Der zweite Medientag begann mit einer heiteren Diskussion zum Thema Hochzeit im Internet. Dabei stand die Problematik der Kooperation privater und öffentlich-rechtlicher Rundfunkanstalten im Vordergrund. Leider war es wie am ersten Tag geprägt von Gehässigkeiten und wenig Inhalt.

Ansich hätten die 90 Minuten dazu dienen sollen, mögliche Kooperationsmodelle zu erläutern. Letztlich wurde erneut deutlich wie weit die Herren am Podium auseinander sind; wäre schön hier auch mehr Frauen zu sehen. Vielleicht klappt es dann mit der Verständigung besser.

Am Nachmittag besuchte ich zwei Diskussionen im Rahmen des Gaming-Forums. Zuerst ging es um das Thema InGame-Advertising. Informativ, aber nicht weiter berauschend. Spannender hingegen waren danach die Gespräche über das Thema “Game meets media”. Während Gamingvertreter von Nintendo und IDG Entertainment endlich Akzeptanz in den Medien forderten (wie etwa der Live-Übertragung der deutschen Games Awards im nächsten Jahr), zeigte sich die Geschäftsführerin von RTL Games, Birgit Hönsch, eher pessimistisch. Sie brauche keine TV-Shows für ihren Erfolg.

Jonas Bauer von UFA Grundy kündigte überdies ein Konvergenzformat mit dem Namen “Level 23″ an. Dabei geht es parallel zu einer TV-Serie um ein Computerspiel, wo jemand gesucht werden muss, der eben in Level 23 verschwindet. Gelobt wurde einstimmig das Engagement von MTV, die mit der Sendung Game One, eine Vorreiterrolle spielen.

Letztlich gab es auch noch einige Gedanken zum Thema Erlösmodelle. BigPoint Managing Director Heiko Hubertz ist von seinem kostenlosen Basis-Account plus Subscription-Modell überzeugt und verwies auf Teile seiner User/innen, die mehr als 700 EURO für ein Spiel ausgeben (Bsp.: Bessere Segel und Kanonen für ein Schiff, etc.). Insgesamt seien es ca. 6 Mio. Spieler/innen (Registriert sind rund 40 Mio.), die regelmäßig vorbeikommen, wie viele davon für Game-Items zahlen, verriet er nicht. Kritisch hinterfragt wurden zudem vor allem die Investitionskosten in derartige Browserspiele. Während sich diese laut Hubertz derzeit bei ca. 30.000 bis 200.000 Euro befinden, werden sie in den nächsten Jahren massiv anziehen.

Wer es noch genauer wissen will, dem empfehle ich die Mediathek der Medienmesse. So und nun gibt es noch Tag drei, ich bin gespannt!

Medientage München: Viel wow, wenig content

Bin gerade im schönen München auf den Medientagen unterwegs. Habe in den letzten Jahren viel Großartiges über diese Veranstaltung gehört, umso mehr habe ich mich auf den ersten Tag gefreut. Die Keynote hielt in diesem Jahr James Murdoch von der News Corp, gefolgt von einem Mediengipfel mit Vertretern aus TV, Web und Werbung. Radio scheint ja grundsätzlich keine allzu große Rolle mehr zu spielen, obwohl es hin und wieder erwähnt wurde.

Das Referat und die Diskussion enttäuschten auf ganzer Linie. Während Murdoch davon erzählte, wie toll sein Medienkonzern ist, kam es bei der Podiumsdiskussion zum üblichen Clinch zwischen privaten und öffentlich-rechtlichen Rundfunkanbietern. Das eigentliche Thema (Werbewelt im Wandel) wurde nur peripher behandelt.

Egal, voller Übermut in die ersten beiden Workshops gestürzt. Zuerst eine Diskussion über den Long Tail im Internet, die aber primär aus Vermarktungssicht behandelt wurde. Und so ein richtiges Long Tail-Angebot war nicht wirklich anwesend, Netmoms und Erdbeerlounge sind dafür schon fast zu groß.

Danach ging es bei Medien, Macht & Marke um Erlösmodelle im digitalen Zeitalter. Resümee: Es gibt kein Allheilrezept, empfohlen werden klassische Werbung, Google AdSense, Subscription-Modelle und Paid-Content im Sinne von Mehrwert-Features (etwa Premium-Angebote bei XING). Einzig spannend die kurze Auseinandersetzung zwischen Marc Mangold (Hubert Burda Media) und Konstantin Urban (Holtzbrinck).

Mangold verwehrte studiVZ die Definition als “Community”, da er darin eine “in sich geschlossene Gruppe” sieht, die sich mit einem spezifischen Thema auseinander setzt. Urban hielt dem entgegen, dass die Gruppenfeatures genau dem entsprechen.

Trotzdem meinte Mangold, dass der Erfolg von Social Networks in der Zukunft primär damit zusammen hängt, wenn sie sogenannte “Sub-Communities” etablieren könnten. Dies wiederum ermöglicht eine bessere Vermarktbarkeit durch weniger Reichweite, dafür genauerer Zielgruppe.

Am Ende von Tag 1 war ich müde und nur bedingt glücklich. Was man den Medientagen sicherlich nicht vorwerfen kann, ist die unglaubliche Selbstinszenierung. Aber neben dem wow, möchte ich auch content hören. Mal sehen, vielleicht wird Tag 2 besser.

Twitter auf österreichisch

Was machen wir Österreicher/innen gerne täglich (stündlich)? Wir jammern. Aber wir jammern nicht über die Armut oder die Ungerechtigkeit in der Welt.

Nein, wir jammern über das Kantinenessen. Wir jammern über den Nebel, der uns frühmorgens das Aufstehen im Herbst erschwert. Wir jammern im Sommer über die Hitze und im Winter über die Schneemassen in der City.

unmotiviert.at

Was wäre nun besser als zu jammern und die ganze Welt bekommt es mit? Diesem Thema widmet sich seit Mai 2008 die Plattform unmotiviert.at. Eine Art Twitter mit der Möglichkeit jederzeit kurze Beiträge zu posten und auf dem “Unmotiviert-O-Meter” den eigenen Gemütszustand einzustellen. Die Seite ist hübsch und sehr übersichtlich gestaltet, User/innen finden sich rasch zurecht.

Die Nutzungsbedingungen könnten etwas ausführlicher sein und auch der Blog verträgt sicherlich eine größere Portion Aktualität. Laut Logo-Design (nette Idee) befindet sich der Beta-Status derzeit bei 69%, also sind wohl noch einige Verbesserungen zu erwarten. Ich persönlich sehe zwar keinen Sinn darin, den suche ich aber schon bei Twitter vergeblich. Wenn es der Masse gefällt, umso besser. Österreich braucht ein Stück mehr Rampenlicht in der großen (Web)Welt.

“Ich bin schuldig!”

Bernhard Kohl hat nun öffentlich zugegeben, dass er bei der diesjährigen Tour de France illegale Dopingmittel genutzt hat. Auch seine tränengerührte Rede hilft nicht über den Umstand hinweg, dass er ein ganzes Volk belogen und betrogen hat. Bernhard Kohl hätte dem Profi-Radsport in Österreich einen unglaublichen Aufschwung gebracht, vielleicht auch das Vertrauen in diesen Sport wieder erwecken können.

So zerstört er den Traum vieler Menschen und vor allem sich selbst. Für mich persönlich muss dieser Sportler lebenslang gesperrt werden. Nicht weil er gedopt hat, sondern weil er in Interviews über Dopingsünder verschmäht hat und nach der ersten Probe allem und jeden widersprochen hat. Bernhard, du bist eine Schande für unser Land!

Warum nur Bernhard?

Soll es wirklich wahr sein? Unser großer Tour-Held Bernhard Khol war angeblich gedopt, die A-Probe ist positiv. Trotzdem gilt vorerst die Unschuldsvermutung, solange bis die B-Probe für Sicherheit sorgt. Vertrauen in den Radsport zu haben ist wohl gleichsam wie Vertrauen in eine gerechte Welt. Da jubelt und hofft man wochenlang und nun diese Meldung. Sollte die B-Probe tatsächlich positiv sein, schäme ich mich zutiefst über diesen Herrn je ein positives Wort verloren zu haben. Mein lieber Freund Danny hat in seinem Blog desöfteren bereits dieses Thema behandelt, er beschreibt die allgemeine Problematik äußerst treffend.

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