Islamophobie-Lehrstunde?

Am letzten Wochenende erschien der Artikel “Wenn der Arzt kein Mann sein darf”. Darin wird von einer “schleichende Islamisierung” in den Niederlanden gesprochen. Von “Halal-Hypotheken”, dem Vornamen Mohammed bei Neugeborenen und der Problematik, dass Männer in Krankenhäusern toben, wenn ihre Frauen von männlichen Ärzten behandelt werden. Ganz Holland würde sich dem Islam anpassen, seien es Schwimmbäder, Bankwesen oder das Grundgesetz. Ein schreckliches Bild malend, ist der tendenzielle Artikel aber nur der Beginn.

Am Freitag darauf erscheint der Kommentar “Mehr Burka als Prada” von Christian Ortner. Der Journalist ist bekannt für seine Anti-Islam-Polemik, diesmal stößt sich Ortner am Tragen des Nikab (Ja, lieber Herr Ortner, eine Burqa sieht anders aus) von arabischen Touristinnen und bezeichnet den Anblick als “abstoßend und obszön”. Dann kommen seine Vergleiche mit Saudi Arabien, wo Frauen mit Minirock automatisch ins Gefängnis wandern würden. Hr. Ortner, ein Besuch bei den Pyramiden würde ihnen zeigen, wie sich Touristinnen aus dem Westen in einem islamischen Land kleiden. Und ein Minirock kommt da nicht selten allein.

Abgeschlossen wird die Woche mit dem Artikel “Verfassungsfeindliche Post aus Wien” und einem Kommentar (Muslimische Lehrer als Einpeitscher). Dabei wird von einem Brief gesprochen, der in Deutschland kursiert und Tipps zum islamischen Religionsunterricht gibt. Dieser stamme aus Wien und empfehle die Weitergabe des “reinen Islam” und legt den Umstand dar, dass Muslim/innen gezwungen werden in einer nichtislamischen Gesellschaft zu leben. Dies findet die Presse derart anstößig, um danach in einem Kommentar ein Schreckensszenario zu malen. Zitat: “Und irgendwann könnte der Punkt kommen, an dem sich 400.000 Menschen plötzlich nicht mehr zu einem Zusammenleben ‘zwingen’ lassen wollen.” Was will uns der Autor, Erich Kocina, damit sagen? Dass es bald zu einem Bürgerkrieg kommt? Dass alle Muslim/innen in diesem Land Schläfer/innen sind?

Strache ortet Islamisierung

Und ewig währet die Islamophobie. Aktueller Anlass ist die neue Dienstbekleidung von Reinigungskräften in Wien. Stein des Anstoßes ist nicht der Einsatz von Hosen statt Röcken, sondern das “Dienstkopftuch”. Der FP-Chef sieht sich somit in seinen Befürchtungen bestätigt. Die Islamisierung schreitet voran.

Strache erwartet in Zukunft gar eine “Dienst-Burka”.  Abschließend äußert der FP-Chef erneut seinen Wunsch nach einem Kopftuchverbot im öffentlichen Dienst. Die Tageszeitung “Die Presse” hat indes den Artikel sachlich aufbereitet, die Leser/innen-Kommentare in der Onlineversion zeigen aber, dass Strache noch immer genügend Menschen in unserem Land anspricht.

Links:
Die Presse-Artikel
Strache-Presseaussendung