Medientage München 2009
In diesem Jahr hatte ich leider nicht die Gelegenheit, diese sehr interessante Veranstaltung zu besuchen. Für alle Daheimgebliebenen gibt es aber die MM-Mediathek, wo es zahlreiche Vorträge zum ansehen, anhören bzw. downloaden gibt.
Medientage III: Versöhnliches Ende
Am dritten und letzten Tag der Medientage ging es für mich um digitale Vermarktung, Gaming und Webdesign. Der erste Vortrag erläuterte die Zukunft von Spielewelten wie Seconde Life (15 Mio. User) und Habbo (11 Mio. User). Die Macher sprachen von einer großen Zukunft und dass in ca. fünf Jahren derartige virtuelle Welten ähnlich wie die reale Welt als Normalität angesehen werden. Danach ging es beim großen Onlinegipfel um die digitale Webvermarktung.
Zuerst hielt eine Dame der Boston Consulting Group einen Vortrag über den zukünftigen Werbekuchen. Äußerst amateurhafte und schwer leserliche Folien (und das auf einer Kinoleinwand) brachten letztlich das Resümee, dass Online und Mobile wachsen werden. Welch Überraschung! Die folgende Diskussion (ausschließlich Herren und eine n-tv Moderatorin) war interessant, aber nicht spektakulär (zum Nachhören).
Am Nachmittag war die letzte Veranstaltung zugleich die Beste. Es ging um das Thema Webdesign in der Zukunft, v.a. Prof. Hansjörg Zimmermann überzeugte dabei (leider noch kein Audio-File online).
Im Großen und Ganzen interessante Tage. Ob groß oder klein, alle kochen mit demselben Wasser. Vielleicht die einen etwas heißer, die anderen etwas kälter.
Medientage II: Weniger wow, mehr content
Der zweite Medientag begann mit einer heiteren Diskussion zum Thema Hochzeit im Internet. Dabei stand die Problematik der Kooperation privater und öffentlich-rechtlicher Rundfunkanstalten im Vordergrund. Leider war es wie am ersten Tag geprägt von Gehässigkeiten und wenig Inhalt.
Ansich hätten die 90 Minuten dazu dienen sollen, mögliche Kooperationsmodelle zu erläutern. Letztlich wurde erneut deutlich wie weit die Herren am Podium auseinander sind; wäre schön hier auch mehr Frauen zu sehen. Vielleicht klappt es dann mit der Verständigung besser.
Am Nachmittag besuchte ich zwei Diskussionen im Rahmen des Gaming-Forums. Zuerst ging es um das Thema InGame-Advertising. Informativ, aber nicht weiter berauschend. Spannender hingegen waren danach die Gespräche über das Thema “Game meets media”. Während Gamingvertreter von Nintendo und IDG Entertainment endlich Akzeptanz in den Medien forderten (wie etwa der Live-Übertragung der deutschen Games Awards im nächsten Jahr), zeigte sich die Geschäftsführerin von RTL Games, Birgit Hönsch, eher pessimistisch. Sie brauche keine TV-Shows für ihren Erfolg.
Jonas Bauer von UFA Grundy kündigte überdies ein Konvergenzformat mit dem Namen “Level 23″ an. Dabei geht es parallel zu einer TV-Serie um ein Computerspiel, wo jemand gesucht werden muss, der eben in Level 23 verschwindet. Gelobt wurde einstimmig das Engagement von MTV, die mit der Sendung Game One, eine Vorreiterrolle spielen.
Letztlich gab es auch noch einige Gedanken zum Thema Erlösmodelle. BigPoint Managing Director Heiko Hubertz ist von seinem kostenlosen Basis-Account plus Subscription-Modell überzeugt und verwies auf Teile seiner User/innen, die mehr als 700 EURO für ein Spiel ausgeben (Bsp.: Bessere Segel und Kanonen für ein Schiff, etc.). Insgesamt seien es ca. 6 Mio. Spieler/innen (Registriert sind rund 40 Mio.), die regelmäßig vorbeikommen, wie viele davon für Game-Items zahlen, verriet er nicht. Kritisch hinterfragt wurden zudem vor allem die Investitionskosten in derartige Browserspiele. Während sich diese laut Hubertz derzeit bei ca. 30.000 bis 200.000 Euro befinden, werden sie in den nächsten Jahren massiv anziehen.
Wer es noch genauer wissen will, dem empfehle ich die Mediathek der Medienmesse. So und nun gibt es noch Tag drei, ich bin gespannt!
Medientage München: Viel wow, wenig content
Bin gerade im schönen München auf den Medientagen unterwegs. Habe in den letzten Jahren viel Großartiges über diese Veranstaltung gehört, umso mehr habe ich mich auf den ersten Tag gefreut. Die Keynote hielt in diesem Jahr James Murdoch von der News Corp, gefolgt von einem Mediengipfel mit Vertretern aus TV, Web und Werbung. Radio scheint ja grundsätzlich keine allzu große Rolle mehr zu spielen, obwohl es hin und wieder erwähnt wurde.
Das Referat und die Diskussion enttäuschten auf ganzer Linie. Während Murdoch davon erzählte, wie toll sein Medienkonzern ist, kam es bei der Podiumsdiskussion zum üblichen Clinch zwischen privaten und öffentlich-rechtlichen Rundfunkanbietern. Das eigentliche Thema (Werbewelt im Wandel) wurde nur peripher behandelt.
Egal, voller Übermut in die ersten beiden Workshops gestürzt. Zuerst eine Diskussion über den Long Tail im Internet, die aber primär aus Vermarktungssicht behandelt wurde. Und so ein richtiges Long Tail-Angebot war nicht wirklich anwesend, Netmoms und Erdbeerlounge sind dafür schon fast zu groß.
Danach ging es bei Medien, Macht & Marke um Erlösmodelle im digitalen Zeitalter. Resümee: Es gibt kein Allheilrezept, empfohlen werden klassische Werbung, Google AdSense, Subscription-Modelle und Paid-Content im Sinne von Mehrwert-Features (etwa Premium-Angebote bei XING). Einzig spannend die kurze Auseinandersetzung zwischen Marc Mangold (Hubert Burda Media) und Konstantin Urban (Holtzbrinck).
Mangold verwehrte studiVZ die Definition als “Community”, da er darin eine “in sich geschlossene Gruppe” sieht, die sich mit einem spezifischen Thema auseinander setzt. Urban hielt dem entgegen, dass die Gruppenfeatures genau dem entsprechen.
Trotzdem meinte Mangold, dass der Erfolg von Social Networks in der Zukunft primär damit zusammen hängt, wenn sie sogenannte “Sub-Communities” etablieren könnten. Dies wiederum ermöglicht eine bessere Vermarktbarkeit durch weniger Reichweite, dafür genauerer Zielgruppe.
Am Ende von Tag 1 war ich müde und nur bedingt glücklich. Was man den Medientagen sicherlich nicht vorwerfen kann, ist die unglaubliche Selbstinszenierung. Aber neben dem wow, möchte ich auch content hören. Mal sehen, vielleicht wird Tag 2 besser.
